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Surfend telefonieren

© Beobachter 2010

Wer auf Reisen ist und seinem Telefonanbieter ein Schnippchen schlagen will, telefoniert mit dem Handy über das Internet.

Peter Johannes Meier

Nach den schönsten Tagen liegt die freche Rechnung im Briefkasten. Mehrere hundert Franken werden fällig. Und das für ein bisschen Internetsurfen und die paar Gespräche mit Mutter, die hören wollte, dass wirklich alles schön und völlig ungefährlich ist. Wer es sich leisten kann, prahlt mit der Rechnung vor Kollegen. Andere wettern über die Telefonfirma oder melden sich beim Beobachter.

Wer beides nicht will, muss sein Handy trotzdem nicht zu Hause lassen. Neuere Programme für Mobiltelefone ermöglichen es, auch im Ausland billig nach Hause zu telefonieren. Bedingung: Man klinkt sich im Internetcafé oder im Hotel in ein drahtloses Netzwerk (WLAN) ein. Die sind mittlerweile weit verbreitet, gratis oder zumindest sehr günstig. So kann man über das Web statt über das teure Telefonnetz telefonieren. Natürlich geht das auch in der Schweiz. Und auch hier lassen sich Kosten sparen.

UND PLÖTZLICH KOSTETS NUR NOCH DREI RAPPEN

Voraussetzung ist ein neueres Handy, auf dem sich Programme installieren lassen, die das sogenannte Voice over IP (VoIP) erst möglich machen. Lange war das nur von Computer zu Computer oder über speziell eingerichtete Festnetzstationen möglich, mittlerweile funktioniert es auch ganz ordentlich mit dem Handy.

Das geht so: Zuerst muss man sich für einen VoIP-Anbieter entscheiden. Der bekannteste ist Skype, der Programme für Handys von Nokia, Apple und das Android-Betriebssystem (etwa Google und HTC) anbietet. Das richtige Programm lässt sich von der Skype-Homepage oder für iPhone-Besitzer im iTunes-Store herunterladen. Zuvor sollte man auf der Skype-Seite ein Konto eröffnen. Über die Kreditkarte wird dieses dann mit einem Betrag geladen, der vertelefoniert werden kann. Anrufe auf das Festnetz kosten für rund 30 Länder auch für die Schweiz etwa drei Rappen pro Minute. Hinzu kommt eine Verbindungsgebühr von sieben Rappen pro Anruf. Für Anrufe auf ein Schweizer Handy werden rund 50 Rappen pro Minute verrechnet.

Eine interessante Alternative haben iPhone-Benutzer mit dem Programm des Schweizer Anbieters Sipcall, das sich im iTunes-Store herunterladen lässt. Sipcall erlaubt direkten Zugriff auf das Handy-Adressbuch. Anrufe vom Ausland in die Schweiz kosten auf Festnetzanschlüsse 1,9 oder 2,9 Rappen (Nieder- und Hochtarif), auf Mobiltelefone 25,9 bis 42,9 Rappen (je nach Anbieter).

OHNE DRAHTLOSES NETZ: MÖGLICH, ABER TEUER

Wer will, kann sich von Skype oder Sipcall eine Schweizer Nummer zuteilen lassen, um Anrufe auch günstiger entgegenzunehmen. Bei Sipcall ist das gratis, Skype-Benutzer bezahlen monatlich eine Gebühr. Das Einrichten des Telefons ist jedoch komplizierter, und das Programm muss ständig geöffnet sein, um erreichbar zu sein. Auf dem Handy lassen sich auch Programme installieren, die zugleich Konten von mehreren Anbietern unterstützen, zum Beispiel Fring. Auch hier erfordert das Einrichten Erfahrung und Geduld. Fring gibt es für Nokia-Telefone, Android und das iPhone.

Mit Skype und Sipcall kann man mittlerweile auch ohne WLAN über VoIP telefonieren. Die dafür verbrauchten Daten werden wie beim Internetsurfen von der im Monatsabo enthaltenen Datenmenge abgezogen. In der Schweiz ist das preislich interessant, je nach Verbindung leidet aber die Sprachqualität. Im Ausland müssen dagegen die exorbitanten Gebühren für das Datenroaming berücksichtigt werden. Wer eine Stunde über VoIP telefoniert, braucht etwa acht Megabyte, was Roamingkosten von rund 80 Franken bedeutet. Wer sich vor bösen Überraschungen schützen will, sollte darum die Funktion Datenroaming an seinem Handy ausschalten. Auch so kann man surfen, mailen und VoIP nutzen, sobald man sich in ein WLAN einklinkt.

Wer dagegen überall auf Daten zugreifen will, sollte zumindest die Push-Funktion des Mailkontos ausschalten. Denn jede empfangene Mail kostet. In diesem Fall lohnt es sich zudem, das Handyabo für die Ferienzeit um eine World-Datenoption zu erweitern. Die Roaminggebühren sinken dadurch markant, von rund zehn auf je nach Land zwei Franken pro Megabyte.

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