Archiv der Kategorie: Glossen

Die Welt in der Tasche

Voll vernetzt, voll verletzt: Ein Tag Generation iPhone.

Peter Johannes Meier und Balz Ruchti

Loser schläft mit seinem iPhone. Eine Woche schon, seit seine Freundin in die Ferien gefahren ist. Heute Abend kommt sie zurück. Dann will er es ihr sagen, das mit den getrennten Betten. Das wird sie nicht mögen. Er hätte auf seinen Kumpel Freddy hören sollen. Der hatte immer gesagt: von Anfang an getrennte Betten.

Seit ein paar Monaten lebt Loser in einer Dreierbeziehung: er, sie und das «Scheissding», wie Losers Freundin sein iPhone nennt. Für sie ist es Konkurrenz. Das iPhone kann alles, hat alles. Immer und überall. Und es ist in der Überzahl: Heerscharen einzelner Applikationen, kurz Apps, buhlen um Losers Aufmerksamkeit. 150’000 davon gibts allein im App Store von Apple. Über 3,5 Milliarden sind in den letzten 18 Monaten heruntergeladen worden. Loser hat knapp 100. Ein bunter Teppich von kleinen, viereckigen Symbolen, hinter denen sich digitale Hilfen für alle Lebensberei che verstecken – auch fürs Schlafzimmer.

Jeden Abend schiebt Loser das iPhone unters Leintuch, direkt neben sein Gesicht. Im Flugmodus, dann strahlt es nicht. Ein Sensor registriert Bewegungen und errechnet den idealen Weckzeitpunkt, wenn sich Loser ohnehin in einer Leichtschlafphase be findet. Das erleichtert das Aufstehen, ver hindert das Gefühl, aus dem Keller gezogen zu werden. SleepCycle nennt sich die App.

Wissenschaftler sind skeptisch: Schlafphasen liessen sich nicht allein über die Be wegung bestimmen. Mag sein. Aber 100’000 iPhone-Schläfer können nicht irren. Das Problem ist Losers Freundin, die sich auf derselben Ma tratze wälzt. So kann das iPhone seinen Schlafzyklus nicht richtig interpretieren. Er braucht sein eigenes Bett. Hätte er bloss auf Freddy gehört.

Francesco Muzzi

«Dein iPhone müsste man sein», sagt seine Freundin, wenn er am Frühstückstisch jeweils seine Mails checkt. Dank Sleep­Cycle werden sie kaum mehr zusammen früh stücken. Sie steht immer um 6.30 Uhr auf, er wird seinem natürlichen Schlafrhyth mus folgen. Mit einem Lappen wischt Loser die Konfitüre vom iPhone. Gut, hat es keine Tasten, dazwischen hätte sich längst Leben entwickelt.

457 FREUNDE, DOCH KEINEN INTERESSIERTS

Im Zug surft Loser die Zeitungen auf dem iPhone ab; «Newsnetz», «20 Minuten» und «Spiegel Online». Hinter einer Gratiszeitung versteckt er sich nur noch, wenn er schlecht aufgestanden ist. Aber das soll ja nicht mehr vorkommen.

Am Bahnhof steigt Loser ins Tram. Er ruft sein Facebook-Profil auf. Tschudi hat eben seinen Status aktualisiert: «Es ist saukalt an der Tramstelle», schreibt er. Kurz zuvor bereits «hasse aufstehen» um 6.39 Uhr und «mache Kaffee» um 7.02 Uhr.

Bürokollegin Elke lästert über das andere Geschlecht: «Männer sind alle gleich!», schreibt sie. Auch ihr Neuer hat sie also betrogen. Obwohl Elke auf Facebook 457 Freunde hat, verhallt ihr Hilferuf ungehört im Cyberspace: Geteiltes Leid ist hal bes Leid – ausser wenn alle teilen wollen.

Im Büro wirft Loser den Computer an. Die Harddisk ruckelt, das Betriebssystem fährt hoch. Loser hasst lange Vorspiele.

Seit einigen Monaten nimmt er seinen eigenen Laptop mit ins Geschäft. Er hat gemerkt, dass er den Firmen-PC eigentlich nur für das Abrufen einiger Daten braucht. Arbeiten kann er auch auf seinem eigenen Gerät. Das ist ständig mit seiner Daten wolke, seiner Cloud, verbunden. Sie erlaubt ihm, von jedem Gerät auf seine Fotos, seine Musik und seine Dokumente zuzugreifen. Alle seine Daten liegen auf einem Server, irgendwo in Nevada. So sind alle Dokumente auf allen Geräten immer ak tuell – ausser auf dem PC am Arbeitsplatz.

Loser sucht im Adressbuch eine Telefon nummer. Kürzlich hat er gelesen, dass sich jüngere Leute kein Adressbuch mehr an­legen: Alle interessanten Menschen sind auf Facebook.

DIE GEFÄLSCHTE FREUNDIN

Am Nachmittag steht eine Teambildungssitzung auf dem Programm. Loser program miert die Fakecaller-App auf den Namen seiner Freundin. Kurz nach Konferenz beginn wird ihn ein fingierter Anruf erlösen. Virtuelle Freunde haben auch Vorteile. Seine Freundin würde kaum für ihn lügen. Ein bisschen quält Loser sein schlechtes Gewissen. Er beschliesst, ihr das Abend essen zu kochen – und das nächste Mal seine Mutter als Fakecaller zu verwenden.

Während Loser die Häuschen auf seinem Schreibblock schraffiert, werkelt sein Gegenüber am Blackberry rum. Das Gerät hat Tasten. Es ist das Statussymbol für mittlere Kader – es kann wenig und kostet viel, wird aber von der Firma bezahlt.

Exakt sieben Minuten nach Sitzungs beginn gellt der Schrei des Mäusebussards durchs Sitzungszimmer. Bii-lüüüüü. Erst leise, dann lauter. Loser steht auf, verdreht vielsagend die Augen – «meine Freundin» – und verlässt unter den neidischen Blicken der Blackberry-Nutzer den Raum.

WAS GESUND IST

Loser erklärt den Rest des Nachmittags zur Freizeit. Er schlendert durch einen Supermarkt. Mit dem iPhone scannt er den Barcode auf der Müeslipackung. Die Applika tion Codecheck offenbart ihm die Gesundheitsbilanz. Konsumentenorganisationen fordern solche Produktangaben schon seit langem, aber Lebensmittelkonzerne lobbyieren da­gegen.

Die Anzeige leuchtet rot. Kein Müesli für Loser. Er stellt die Packung zurück ins Regal. Zwischen den Neonröhren rieselt ein Song aus der Decke. «Come away with me», lockt eine Frauenstimme. Loser scrollt auf dem iPhone durch seine App-Sammlung. Er sucht Soundhound, einen akustischen Bluthund. Er soll der Tonfährte folgen und die schöne Stimme stellen. Soundhound wittert Norah Jones. Song und Album sind im iTunes Store erhältlich. «Jetzt kaufen?», will Apple wissen. Loser kauft.

GPS und Kompass im iPhone verraten, wer wann wo was gekauft hat, sagt sein Kumpel Freddy. Auf dem Weg zur Kasse greift Loser einen Rotwein, ohne ihn mit Codecheck zu prüfen. Der Wein soll seine Freundin in der Bettsache gefügig machen.

ZWEI BIER

Heute spielt Federer. Zwei Bier gehören dazu. Könnte reichen, bevor sie nach Hau se kommt. Loser macht sich auf den Weg zur Sportbar. Von Layar lässt er sich zu einem am Weg liegenden Bancomaten lotsen.

Der Handybrowser legt auch in Echtzeit digitale Informationen über die Video aufnahme der Handykamera. Augmented Reali­ty heisst das: erweiterte Realität. Loser würde sich brennend für Informationen über die Frau interessieren, die gerade durchs Sichtfeld seiner Kamera schreitet. Programme, die Gesichter auf digitalen Bildern wiedererkennen, gibts längst. Und Name, Wohnort, Jahrgang, Zivilstand finden sich irgendwo im Netz. Man müsste die Informationen nur verbinden, denkt sich Loser. Dann wüsste er, wo die Schöne wohnt. Sie einfach anzusprechen wäre ihm peinlich. Loser überlegt, ob er ein Bild von ihr machen soll. Nur so.

Mitten am Nachmittag ist die Sportbar leer – bis auf einen Langweiler. Der versucht die Bedienung mit der Bier-App zu beeindrucken: Das iBeer simuliert ein Glas Bier, das sich leert, wenn man das iPhone neigt. Die App war vor zwei Jahren in den Top Ten. Ein Update von iBeer lehnte Apple ab, weil am Ende ein Rülpser zu hören ist. Auch die App des Magazins «Stern» wurde vorübergehend aus dem App Store gekippt; wegen zu freizügi ger Bilder. Zugleich hatte Apple die spani­sche Version von Hitlers «Mein Kampf» aufgeschaltet.

Auch der Langweiler kämpft. Um Anerkennung. Heute die Bier-App vorzuzeigen entlarvt ihn zweifelsfrei als Anfänger unter den iPhone-Nutzern.

FACEBOOK GEGEN STERBEHILFE

Während Federer zum zweiten Satzsieg serviert, geht Losers iPhone der Saft aus. Er blickt auf die Uhr an der Wand: 18 Uhr. Verdammt. Zeit vergessen. Eigentlich wollte er das Abendessen bereithaben. Dann werden sie halt gemeinsam kochen.

Kein Licht in der Wohnung. Dabei sollte seine Freundin schon hier sein. Loser gibt dem iPhone Strom. Er war eine volle Stunde nicht erreichbar. Eine Mail von ihr: «Bitte warte nicht auf mich. Ich ziehe zu Freddy. Es ist viel passiert. Erkläre dir später. lg». Loser scrollt die Mail runter und rauf. Aber da steht nicht mehr. 100 Zeichen, eine SMS hätte dafür gereicht. «Freddy, du Sau!», schreit es aus ihm raus. Er fragt sich, was er falsch gemacht hat, findet keine Antwort. Loser öffnet Facebook. Freddy und seine Freundin sollen weg von der Freun des liste. Dann sieht er es: Sie hat einen neuen Beziehungsstatus. Schon seit zwei Tagen. Als sie mit Loser zusammen war, stand bei ihrem Status nichts, jetzt «single». Wie konnte ihm das ent gehen? Loser löscht Freddy von der Liste. Dabei wird ihm bewusst, dass seine Freundin ihn erst über diese Freundesliste kennengelernt hatte. Das Internet hat die beiden zusammengebracht. Ihm seine Freundin genommen. Loser wird klar, dass es Zeit für einen radikalen Schritt ist. Sein gan zes Face book muss weg. Und die Spuren, die er mit Twitter hinterlassen hat. Er ruft suicidemachine.org auf, eine Art digitale Sterbehilfeorganisation. Die Selbstmordmaschine verspricht, «alle energie saugenden Profile in sozialen Netzwerken» zu löschen und virtuelle Freun­de zu killen. Über 3000 digitalisierte Menschen haben den Dienst bereits beansprucht.

Doch die Selbstmordmaschine ist tot. Die Anwälte von Facebook haben sie angegriffen, heisst es auf der Website. Die Suizid hilfe könne nicht mehr angeboten werden.

Loser legt sich ins Bett, verkriecht sich unter der Decke. Eine Träne rinnt ihm über die Wange. Er wählt ihre Nummer auf dem iPhone. Doch bevor sie antwortet, verlässt ihn der Mut. Er schiebt das iPhone unter sein Leintuch.

Die Welt in der Tasche

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Was uns wichtig ist

Gesundheit, Familie, Ehrlichkeit: Das sind für die Schweizer Bevölkerung die wichtigsten Werte, wie eine repräsentative Umfrage des Beobachters zeigt.

Peter Johannes Meier

Es geht abwärts: Jugendliche verprügeln sich betrunken im Ausgang, stehen im Zug nicht mehr auf, wenn sich eine ältere Dame setzen will. Während der Arbeit hängen sie ab, sind in Gedanken bereits an der nächsten Party, von der sie dann eine Abfallspur nach Hause ziehen. Und natürlich arbeiten längst nicht alle, die könnten.

Der Stammtisch lästert und Politiker warnen: Wo sind unsere Werte geblieben? Einmal ist es die fehlende Solidarität, die beklagt wird, dann die Eigenverantwortung, die schwindet. Immer aber fehlt es am nötigen Anstand.

Doch stimmt das auch? Sind unsere traditionellen Werte wertlos geworden? Haben die zehn «Du sollst» ausgedient? «Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.» Viele denken heute so. Geschrieben hat es der Philosoph Sokrates, vor 2400 Jahren. Ist also doch alles beim Alten geblieben? Ist der beklagte Wertezerfall nicht mehr als ein beständiges Vorurteil, mit dem sich Erwachsene über ihre verblichene Jugend hinwegtrösten?

Der Beobachter wollte genauer wissen, welche Werte der Schweizer Bevölkerung wichtig sind, welche an Bedeutung gewinnen und welche gefährdet sind. Das Meinungsforschungsinstitut Konso hat dazu 1000 Personen telefonisch befragt.

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„Hat Ihr Laden immer offen?“

© Beobachter 2009


Wie rede ich mit dem Chef über seinen offenen Hosenlatz? Worüber spricht man im Fahrstuhl? Was tun, wenn man den Namen des Kollegen nicht mehr weiss? Nützliche Tipps zu Peinlichkeiten im Arbeitsalltag.

Peter Johannes Meier

DIE BEKLEMMENDE LIFTFAHRT

Das Elend beginnt für viele im Lift. Eine peinliche Stille begleitet sie vom Erdgeschoss in den Sechsten. Da greifen manche zum Wettersatz: «Ist ja doch noch schön geworden.» Oder: «Könnte auch mal aufhören.» Andere signalisieren, dass es am Vorabend wieder spät geworden ist. Alle bleiben sie als nicht besonders geistreich in Erinnerung. Der perfide Kollege betritt den Lift und sagt: «Sooooo?!» Oder: «Da wären wir wieder!» Nullsätze, die meinen: «Ich weiss nicht, was ich sagen soll. Sagen Sie doch was.» Dafür wird man ihn hassen.

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Der Kabarettist Joachim Rittmeyer hat solche Bemerkungen als «Primsätze» identifiziert. Sätze, die wie Primzahlen nur durch sich selber teilbar sind: Es bleibt kein Rest und nichts zu entgegnen – ausser noch einem Primsatz.

Wer aber nichts zu sagen hat, schweigt besser. Ein «Guten Morgen» genügt – um dann auf dem Handy etwas zu tippen. Eine anerkannte Beschäftigung. Das Handy sollte dabei eingeschaltet sein.

Vielfahrern rät Rittmeyer, ein Kind oder einen Hund mit in den Lift zu nehmen. Beide verfügen über ein besonders hohes Ansprechbarkeitspotential. Das Gespräch darf dann dümmlich sein: «Was für ein Schnüggel! Wie heissen wir denn?» Das geht aber wirklich nur mit Kindern und Kleintieren. Weder beim Chef noch bei der Sekretärin aus dem Dritten kommen Sie damit an.

Jede Zeit hat ihre Waffe. Psychoanalytiker und Satiriker Peter Schneider rät aktuell zu einem nicht enden wollenden Hustenanfall: «Dabei muss vorschriftsmässig in die Armbeuge gehustet werden.» Das Signal ist klar: Schweinegrippe im Anzug! Wer so auf den Lift wartet, kann mit einer Einzelfahrt rechnen. Zumindest unterbindet er so peinliche Gespräche, denn allfällige Mitfahrer werden die Luft anhalten.

Fettnapf: Nicht lifttaugliche Gesprächsthemen wie detaillierte medizinische Schilderungen oder Lästern über andere. Dafür sollte man sich mehr Zeit nehmen.

Tipp: Für die kurzzeitige Schicksalsgemeinschaft im Lift gilt: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.


DER OFFENE HOSENSCHLITZ

Der Klassiker unter den Peinlichkeiten ist der Chef mit offenem Hosenladen. Brisant wird die Situation, wenn er dabei, begleitet von wichtigen Kunden, durch die Gänge eilt. Als loyaler Mitarbeiter amüsiert man sich selbstverständlich nicht, sondern hilft dem Chef aus der Patsche. Das scheitert allerdings oft. Insbesondere Frauen fragen sich, was er wohl denkt, weshalb sie ausgerechnet dorthin geschaut haben.

Für Benimm-Expertin und Prominenten-Trainerin Nandine Meyden steht aber ausser Frage: Ein solches Malheur muss umgehend angesprochen werden. Bloss wie? Psychoanalytiker Schneider rät zum Einsatz von Technologie. «Man schickt dem Chef eine E-Mail oder eine SMS auf das Blackberry.» Wobei die Mail den Nachteil – oder auch den Vorteil – hat, dass sie auch von der Chefsekretärin gelesen werden kann. Zudem birgt sie ein Risiko: die Funktion «Mail an alle».

Fettnapf: Mit dem Finger auf die pikante Stelle zeigen. Per SMS Kollegen zum Schauspiel aufbieten.

Tipp: Den Chef kurz beiseitenehmen und ihm mit einem Lächeln die Peinlichkeit ins Ohr flüstern.


DIE NEUERWORBENE IDENTITÄT

Wenn der aufgeregte Chef den wichtigen Mitarbeiter gegenüber Gästen mit falschem Namen vorstellte: Soll man den Boss öffentlich korrigieren, oder ist es besser, die neue Identität unwidersprochen zu akzeptieren? Die Antwort ist hart, aber eindeutig: Ein flexibler Umgang mit der eigenen Identität muss das Outing eines Chefs verhindern, der seine eigenen Mitarbeiter nicht kennt. Meist ist das kein Problem, weil sich die Gäste auch keine Namen merken können. Bei einem späteren Kontakt kann man also getrost wieder auf den richtigen Namen wechseln. Entscheidend ist nur, dass die Buchhaltung weiss, wer man wirklich ist – wegen der Lohnüberweisung.

Fettnapf: Einen Gast mit falschem Namen ansprechen, um ihm dann zu erklären, dass man vom Chef eben falsch vorgestellt worden ist.

Tipp: Unter falschem Namen den Chef retten. Die Gelegenheit kommt, bei der man sich korrekt vorstellen kann.


DER NICHT VORSTELLBARE BEKANNTE

Neben den falsch Benannten gibts die Namenlosen: Auf jedem Bummel mit Begleitung trifft man auf jemanden, dessen Namen man vergessen hat. Die Bestie Anstand verlangt, dass man diesen der Begleitung vorstellt. Was tun?

Zuerst die Theorie: Laut Benimm-Expertin Nandine Meyden hat im Geschäftsleben immer der Ranghöhere das Recht, zuerst zu erfahren, wer der andere ist. Im Privatleben geniessen Frauen einen etwas höheren Rang. Ihnen wird darum zuerst das Gegenüber vorgestellt. Das löst das Problem mit dem Namen nicht. Zur Flucht nach vorn rät Peter Schneider: «Man sagt: ‹Mein Name ist Alzheimer. Wie war Ihrer noch mal?›»

Fettnapf: Sich auf ein langes Gespräch mit dem unbenannten Bekannten einlassen, während die Begleitung zum Schweigen verdammt ist. Das zieht Beziehungsarbeit nach sich. Erst recht, wenn man auch nach dem Gespräch nicht sagen kann, wer das eben war.

Tipp: Stellen Sie Ihre Begleitung dem Namenlosen vor und legen Sie eine kleine Pause ein. Die Begleiterin wird dem Gegenüber die Hand reichen. In aller Regel stellt sich dieses dann gleich selber vor.

Jetzt wird abgewrackt

© Beobachter; 01.05.2009

Andy Fischli

Andy Fischli

Auch die Mehrheit der Schweizer will Geld vom Staat für neue Autos. Das hat eine repräsentative Umfrage ergeben. Gönnen wir uns also, was unsere Nachbarn schon glücklich macht. Auch unsere Autoindustrie darbt. Oder wann haben Sie zum letzten Mal einen Schweizer Wagen gekauft?

Doch der Neuwagen ist nur das Vorglühen einer gloriosen Zukunft. Die Abwrackprämie kann mehr. Deutsche Psychologen haben erkannt, wie sie im Hirn wirkt: Das Beutemodul wird aktiviert (die Angst, jemand könnte uns etwas wegschnappen), das Kontrollzentrum ausgeschaltet (die Frage des ökologischen Nutzens), das Belohnungssystem direkt angesprochen (Motoren und Moneten). Kurz: Wir fühlen uns gut. Und dass die Prämie vom Staat kommt, wird laut den Psychologen als besonders legitim empfunden. Anders gesagt: Wer für das Abrackern im Beruf nie eine anständige Abfindung erhalten wird, will sich wenigstens so trösten.

Wo man von Deutschen lernen kann, sollte man es tun. Abwrackprämien kurbeln die Wirtschaft an und machen uns glücklich. Wracken wir richtig ab!

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