Archiv der Kategorie: Gesundheit

Dies ist ein Heilmittel

Eine Kreditkarte für Cannabis? Für den Schweizer Pharmakologen Rudolf Brenneisen eine Lösung, um Hanf allen zugänglich zu machen, denen er hilft: Tausenden von Patienten.

Grafik: Luxwerk

Auch Kranke müssen heute Marihuana auf dem Schwarzmarkt besorgen, weil das Kraut in der Schweiz ab einem THC-Gehalt von mehr als einem Prozent  verboten ist. Doch die heilsame Wirkung ist wissenschaftlich längst belegt: THC und andere Cannabinoide wirken im Zusammenspiel entkrampfend, entzündungshemmend und Appetit anregend. Und die Medizin ist sehr günstig, denn die natürliche Pflanze lässt sich nicht patentieren. Doch jahrzehntelang wurde das Kraut als Schlappmacher und Hirntöter dämonisiert. Gesundheitsbürokraten und manche Politiker befürchten zudem, dass sich Freizeitkiffer künftig einfach zu Patienten erklären lassen könnten. Mehr über heilsames Cannabis im Beobachter.

 

 

 

 

 

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Schwarze Schafe im weissen Kittel

Ein in Deutschland mehrfach verurteilter Arzt praktiziert in der Schweiz. Mit verheerenden Folgen für einen Patienten. Der Kanton Aargau will den Fall untersuchen.

Die Auseinandersetzung um den fragwürdigen parkt. med. Ingo Malm ist um ein Kapitel reicher. Im vergangenen Herbst hatte der «Kassensturz» publik gemacht, dass Malm in Deutschland wegen Finanzdelikten im Zusammenhang mit seiner ärztlichen Tätigkeit mehrfach verurteilt worden war. Der Kanton Bern verweigerte ihm darauf eine Berufsbewilligung – mangels Vertrauenswürdigkeit. Anders der Aargau, der ihm 2006 innert kürzester Zeit die Bewilligung erteilte.

Jetzt berichtet der «Beobachter» über die tragische Geschichte eines jungen Familienvaters, der von Malm wegen eines Knotens am Rücken behandelt wurde. Der Arzt verkannte wiederholt den tödlichen Krebs, unter dem der Patient litt. Malm hatte es schlicht unterlassen, das entfernte Gewebe untersuchen zu lassen.

Arzt verkennt tödlichen Krebs

Hinter den Dampfern her

Wer elektronisch dampft, muss künftig keine Tabaksteuer mehr zahlen. Bis es so weit ist, langt der Staat noch mal zu.

Wo eine Sucht ist, ist auch ein Geschäft. Und dort beginnt die Heuchelei. Das zeigt die Auseinandersetzung um die Tabaksteuer für tabakfreies Dampfen. Auch auf elektronische Zigaretten, die keinen Rauch erzeugen, sondern Aromastoffe verdampfen und weder Tabak noch Nikotin enthalten, muss die Tabaksteuer erhoben werden. Das hat das Bundesverwaltungsgericht am 17. Januar entschieden. Ein Urteil, das schon bald bedeutungslos sein wird. Das Gericht stützt sich auf eine kuriose Bestimmung, die demnächst verschwinden soll.

Denn drei Wochen vor dem Gerichtsentscheid dampfte es im Parlament. Die Politiker beauftragten den Bundesrat, die Tabaksteuer auf elektronische Zigaretten – selbst solche, die Nikotin enthalten – grundsätzlich abzuschaffen. SP-Ständerat und Raucher Roberto Zanetti konnte eine deutliche Mehrheit hinter sich scharen. Vergeblich argumentierte Finanzvorsteherin Eveline Widmer-Schlumpf, es fehle der wissenschaftliche Nachweis, dass die Produkte zur «Entwöhnung» auch taugten. Doch darum geht es gar nicht. Die Tabaksteuer hatte nie Gesundheit zum Ziel. Es geht um Geld. Widmer-Schlumpf ist ja auch Finanzministerin.

350 TABAKBAUERN WERDEN SUBVENTIONIERT

Raucher liefern dem Bund zuweilen merkwürdige Steuern ab. 2,6 Rappen pro Päckchen fliessen in Präventionskampagnen, die vom Rauchen abhalten sollen. Exakt gleich viel geht in die Förderung des heimischen Tabakanbaus, 350 Bauern werden so subventioniert. Die Prävention als Feigenblatt für das Tabakkraut. Immerhin wurde entschieden, diese Steuern auf das Dampfen nicht mehr zu erheben.

Um mehr Geld geht es bei der Mehrwertsteuer (7,4 Prozent), um richtig viel bei der Tabaksteuer: Pro Päckchen sind es Fr. 4.20 (55,2 Prozent), die so in die AHV fliessen. Wer eine Packung pro Tag raucht, unterstützt die Altersvorsorge jährlich mit über 1500 Franken. Ein Sozialwerk ausgerechnet, von dem der Raucher aufgrund seiner geringeren Lebenserwartung weniger profitieren wird. Die Tabaksteuer finanziert heute rund fünf Prozent der AHV.

Kein Wunder, will man Raucher nicht ziehen lassen, wenn sie plötzlich dampfen. Dass es nicht um deren Gesundheit geht, zeigt der Blick zurück ins Jahr 1971. Der Bundesrat warnte: «Es erscheint nicht ausgeschlossen, dass in den nächsten Jahren [!] Zigaretten, die keinen Tabak enthalten, auf dem Markt erscheinen. […] dadurch könnten die zur Finanzierung der eidgenössischen Versicherung [AHV] bestimmten Einnahmen eine empfindliche Einbusse erleiden.» Das Ergebnis war die kuriose Bestimmung über «tabakähnliche» Erzeugnisse. Es ging immer um Geld.

Raucher ohne Luft, Dicke unter Druck

Kommentare

Wir denken uns krank

Die Angst, krank zu sein, macht krank. Unnötige Röntgenbilder, nutzlose Gentests und unpräzise Beipackzettel helfen uns dabei.  

Die Magie der Voodoo-Religion hat den Neurologen Magnus Heier nicht losgelassen, seit er aus Afrika zurückkehrte: Dort und in Teilen Amerikas hat der Kult bis heute einen starken Einfluss. Voodoo-Priester können Menschen mit einem Zauber verhexen oder gar sterben lassen. «Für uns Europäer ist das eine absurde Nummer, weil wir nicht daran glauben. Ich habe mich aber gefragt, ob wir Ärzte nicht Ähn­liches bewirken, in einem anderen Kontext und mit anderen Mitteln. Ich brauche ­keine Trommel und kein Rauchwerk, aber ich habe einen Kernspintomographen und einen weissen Kittel.»

Heier, der im Ruhrgebiet eine neurologische Praxis führt, hat die wissenschaft­liche Literatur zur Beeinflussung von Pa­tienten durch Ärzte, Medien und Pharma durchforstet. Seine Erkenntnisse hat er im Buch «Nocebo: Wers glaubt, wird krank» versammelt. Fazit: «Wir betreiben Voo­doo – aus Versehen oder aus Unwissenheit. Und das macht viele erst richtig krank.»

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Pflegefälle im Knast

Verwahrte Gefangene werden immer älter. Und auch mal krank oder pflegebedürftig. Darauf sind die Schweizer Gefängnisse nicht vorbereitet. Das zeigt der Fall eines kürzlich verstorbenen Verwahrten in der Strafvollzugsanstalt Pöschwies.

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Gefängnisdirektor Ueli Graf will jetzt einen 24-Stunden-Betrieb für Pflegefälle. Und mehr Freiheiten für Verwahrte.

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Raucher ohne Luft, Dicke unter Druck

Was dem Patienten nicht hilft, soll er selber bezahlen.

Peter Johannes Meier

Wieso sollen Krankenkassen für Medikamente und Therapien aufkommen, die dem Kranken nichts gebracht haben? Die Frage ist gut, die Antwort der der Gesundheitspolitikerinnen Ruth Humbel (CVP) und Yvonne Gilli (Grüne) gefährlich.

Sie wollen Krankheiten, die „eng mit dem Lebensstil“ zusammenhängen, auf ihre Kassenpflicht überprüfen lassen. Konkret soll nur noch bezahlt werden, wenn ein Medikamente oder eine Therapie auch geholfen hat. Im anderen Fall wird der Patient zur Kasse gebeten. Gemeint sind Raucher, Fettleibige und alle Arten von Süchtigen. Die Selbstverantwortung der Patienten soll so gestärkt, grosszügiges Verschreiben durch Ärzte unterbunden werden.

Der richtige Weg, um das Gesundheitswesen zu sanieren? Wohl kaum, denn treffen würde es vor allem Kranke mit kleinem Geldbeutel. Unter Suchterkrankungen leiden sie nachweislich häufiger als Gutverdienende. Und sozial Schwächere würden schon aus „finanzprohylaktischen“ Gründen auf so manche Therapie verzichten, die ihnen helfen könnte. Das Risiko, mehrere hundert oder tausend Franken aus der eigenen Tasche zu bezahlen, wäre schlicht zu gross. Aber das war ja zu erwarten: Nach den Rauchern die Dicken.

Wieso nicht anders herum: Hilft ein Medikament nicht, muss es der Hersteller bezahlen. Darauf ist noch kein Politiker gekommen.

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Tabaksteuer für Zigaretten ohne Tabak

Auch dort, wo bloss Aromastoffe verdampfen, will der Bund mitverdienen. Jetzt wehren sich Dampfer und Händler gegen die Tabaksteuer für rauchfreie Zigaretten.

Peter Johannes Meier

Rauchfreie Zigaretten werden seit einigen Wochen an Kiosken der Valora und an manchen Tankstellen verkauft. Bisher mussten solche Produkte über Internetshops aus dem Ausland importiert werden. Die elektrischen Zigaretten der Valora verdampfen eine Flüssigkeit, die weder Tabak noch Nikotin enthält. Manche Raucher entdecken sie darum als Alternative zum schädlichen Tabakrauch, für andere sind sie eine Möglichkeit, in Rauchverbotszonen wenigstens Dampf abzulassen.

Doch Dampfer und Valora haben die Rechnung ohne den Bund gemacht. Der will die lukrativen Tabakraucher nämlich nicht einfach ziehen lassen. Auch als Dampfer sollen sie Tabaksteuer zahlen. Und so fliessen heute rund 30 Prozent des Verkaufspreises für sogenannte Liquids, mit denen die elektrischen Zigaretten nachgeladen werden, in die Staatskasse.

Elektrische Zigarette

Jetzt formiert sich Widerstand gegen das Steuergeschäft mit den Dampfern. Der Generalimporteur der Kioskzigarette, die Zirel GmbH, hat ein Anwaltsbüro beauftragt, gegen die «illegale Besteuerung» vorzugehen. Zirel-Geschäftsleiterin Barbara Schnackig: «Wir verkaufen keine Tabakzigaretten, sondern ein Inhalationsgerät, das eine Flüssigkeit mit Aromastoffen verdampft.» Sie verweist auf die Zulassung des Produkts durch den Kanton Bern, die in Absprache mit dem Bundesamt für Gesundheit erfolgt sei. Demnach wurde das Produkt im Juli 2010 als gesundheitlich unbedenklich freigegeben und als Gebrauchsgegenstand gemäss dem schweizerischen Lebensmittelgesetz eingestuft.

Die Zirel geht nicht als Einzige gegen die Tabaksteuer ohne Tabak vor. Bei den Zollkreisdirektionen sind zurzeit mehrere Beschwerden hängig, wie die Eidgenössische Zollverwaltung bestätigt. Einige stammen von Konsumenten, die Dampfzigaretten und Nachfüllflüssigkeiten aus dem Ausland importiert hatten. Liquids sind dort auch mit Nikotinzusatz erhältlich. Doch selbst für diese sei eine Tabakbesteuerung nicht zulässig, argumentieren Anwälte der Dampfer.

Einer der Konsumenten hätte anfänglich sogar Tabaksteuer für die Hardware – die elektrische Zigarette und das Ladegerät – zahlen sollen. Diesen Entscheid hat der Zoll wieder aufgehoben. In anderen Fällen ist der Import gleich ganz verweigert worden, weil das Produkt in der Schweiz verboten sei. Auch dies trifft nicht zu, die Ware musste vom Zoll freigegeben werden. Im November reichte der Anwalt eines Konsumenten Beschwerde gegen die Besteuerung der Liquids für die Dampfzigarette ein. Der Entscheid der Eidgenössischen Zollverwaltung steht noch aus.

NIKOTINKAUGUMMIS SIND STEUERFREI

«Es spielt keine Rolle, ob eine solche Flüssigkeit Nikotin oder Tabak enthält», begründet Stefan Schmidt, Leiter der Sektion Tabak- und Bierbesteuerung bei der Oberzolldirektion, die Steuerpraxis. Er verweist auf eine Verordnung zum Tabaksteuergesetz, die eine Steuer auch für Produkte vorsieht, die «wie Tabak oder Tabakfabrikate verwendet werden, auch wenn sie für den Verbrauch nicht angezündet werden müssen». Für den Zoll trifft die Bestimmung auch auf die Liquids der elektrischen Zigaretten zu. Nicht besteuert werden dagegen nikotinhaltige Produkte zur Raucherentwöhnung, wenn sie von Swissmedic zugelassen worden sind, also Kaugummis, Pflaster oder spezielle Inhalationsgeräte.

SCHWEIZER SONDERWEG

Wie der Bund Gesetz und Verordnung auslegt, stösst bei Dampfern und Händlern auf Unverständnis. Es sei nie die Idee des Gesetzgebers gewesen, die Bestimmung auf Produkte wie eine E-Zigarette auszuweiten, argumentiert der Anwalt eines Konsumenten und verweist auf die Botschaft des Bundesrats und auf Sitzungsprotokolle aus dem Parlament von Mitte der neunziger Jahre, als das Gesetz revidiert wurde.

Ein wichtiger Grund für die Revision war die Harmonisierung der Tabakbesteuerung mit dem EU-Recht. Insbesondere sollten Zusatzstoffe in Zigaretten nicht mehr von einer Steuer befreit sein. Mit ihrer Politik schlägt die Schweiz jetzt wieder einen Sonderweg ein. Weder Deutschland noch Österreich erheben Tabaksteuern auf das Dampfen.

Dampf ablassen statt rauchen