Die Trickser

Für Pleitiers und Abzocker 
ist die Schweiz ein Eldorado. Von der Justiz haben sie 
wenig zu befürchten. 
Das soll sich ändern.

Der Unternehmer aus der Westschweiz neigt eigentlich nicht zu Verschwörungs­theorien. Doch was in diesem Fall passiert, kann sich Christoph Schütz nur so erklären: «Da wird jemand geschützt. Zuerst vom Berner Establishment und jetzt von der Berner Justiz.»

Mit «jemand» meint er den prominenten Berner Medienrechtler Franz A. Zölch. Eine ganze Reihe Geschädigter hatte diesen angezeigt, wegen Betrugs. Seit Jahren geht der prominente Jurist ehemalige Kunden, Geschäftspartner und Bekannte um Darlehen an, die er in wenigen Tagen zurückzahlen will. Meist gaukelt er ihnen vor, eine grosse Summe für endlich abgeschlos­sene Geschäfte zu erhalten. Einmal sollte es ein 9/11-Fall sein, dann ging es um Überweisungen aus dem Nahen Osten. Um das Geld aber «auslösen» zu können, müsse er kurzfristig nach Genf reisen und dort Konten eröffnen. Gegenüber dem ­Beobachter sprach Zölch von «First in, ­second out»-Geschäften – erst muss man Geld ­einzahlen, danach wird der Einsatz mit ­Gewinn zurückgezahlt.

© Thomas Ott

© Thomas Ott

Auf ihr «Out» warten die Gläubiger bis heute. Zölch räumt ein, die Darlehen noch nicht zurückgezahlt zu haben. Er werde sich melden, sobald es so weit sei.

Letzten Herbst hatte der Beobachter Zölchs Masche publik gemacht. Mehrere Betroffene reichten eine Strafanzeige wegen Betrugs ein. Nicht in der Hoffnung, an ihr Geld zu kommen – der Inhaber einer Berner Kanzlei für Medienrecht ist gemäss Betreibungsregister massiv verschuldet. Zölch sollte nach Meinung der Kläger aber wenigstens eine Strafe dafür erhalten, dass er hilfsbereite Menschen systematisch über den Tisch zieht. Vielleicht würde ihn das von der Aufnahme weiterer «Dar­lehen» abhalten.

Doch nun ist klar: Zölch ist kein Betrüger. Sämtliche Strafanzeigen, von denen der Beobachter Kenntnis hat, wurden von verschiedenen Berner Staatsanwaltschaften nicht weiterverfolgt, oder das Verfahren wurde eingestellt. Der Grund: Zölch soll nicht arglistig vorgegangen sein. Anders gesagt: Die Opfer sind selber schuld, sie hätten Zölchs Geschichten nicht glauben sollen und seine Kreditwürdigkeit ­hinterfragen müssen.

Genau das aber hatte einer der Gläubiger getan. Er hatte sogar eine Inkassofirma damit beauftragt, Zölchs Bonität zu überprüfen – und einen positiven Bericht erhalten. «Wir legten Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens ein und beantragten bei der Staatsanwaltschaft sowie beim Obergericht, Abklärungen bei anderen Gläubigern vorzunehmen. Mit geringem Aufwand hätte sich gezeigt, dass der Beschuldigte nach dem immer gleichen Muster vorgeht», sagt der Anwalt des Opfers, Peter Obrecht. Die Anträge wurden ab­gelehnt. Sie seien nicht geeignet, etwas über die Arglist des Täters auszusagen, ­befand das Berner Obergericht.

WEITERHIN AUF DER SUCHE NACH DARLEHEN

«Für einen Geschädigten ist das absolut unverständlich», so der Anwalt. Zölch war Brigadier im Militär, Dozent an mehreren Hochschulen, Gatte einer Regierungsrätin, Präsident des Eishockeyverbands und ein gut vernetzter Firmenberater. Ihm hatten die Darlehensgeber solche Machenschaften nicht zugetraut. «Im Nachhinein ge­sehen, waren wir wohl etwas blau­äugig», sagt ein Geschädigter. Aber warum soll der Täter von der Justiz profitieren? Laut der Pendlerzeitung «20 Minuten» sucht Zölch weiterhin Darlehen und erzählt seine Geschichten von grossen Summen, die bald einträfen.

Die Geschädigten haben mittlerweile das Vertrauen in die Justiz verloren. Sie bezweifeln, dass diese gegen solche Machenschaften überhaupt etwas unternehmen will. Den finanziellen Schaden müssen sie ohnehin selber tragen. «Auf den Spott der Gerichte verzichten wir aber gern», sagt einer, der mehrere zehntausend Franken verloren hat.

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3 Antworten zu “Die Trickser

  1. Im Kanton Bern wird auch nachweislich vorsätzlich und seriell begangene Unterschlagung und Betrug nicht geahndet. Die Vormundschaftsbehörde (VB) einer Berner Oberländer Gemeinde unterschlug einem sog. Klienten über Jahre hinweg grosse Teile seiner IV- und Ergänzungsleistungen, diese wurden nachweislich privat abgezweigt. Die Staatsanwaltschaft in Thun lässt die Strafanzeigen seit mehr als zwei Jahren ruhen. Eine Verzögerungsklage beim Berner Obergericht hatte zwar Erfolg. Die Hoffnung, dass die Untersuchung an die Hand genommen würde, wird aber nach wie vor enttäuscht. Die VB lieferte den Klienten stattdessen schon zweimal mit fragwürdig ausgestellten FFE’s in die Psychiatrie Münsingen ein. Die Klinik verbietet sich inzwischen weitere Einweisungen ausdrücklich, da der angebliche Patient nicht behandlungsbedürftig sei.

  2. Meinrad Spescha

    In Luzern waren die Umstände einer professionellen Hochstaplerin und Grossbetrügerin aus Deutschland allen zuständigen Ämtern und Behörden bestens bekannt. Luzern wusste, dass die Dame Millionen-schweren Besitz vortäuschte, jedoch selbst Anwälte und vor allem die Vermieter ihrer Luxuswohnungen versohlte und generell keine Rechnungen bezahlte, gleichzeitig aber alles auf Rechnung bezog. Als sich einer der Versohlten mit berechtigten Forderungen an ihren Ex-Mann, ein hohes Tier in der Münchner Schickeria, wandte, wurde dieser Versohlte wegen versuchter Erpressung eingeklagt, und von der Luzerner Justiz verurteilt. Die Hochstaplerin selber wurde später in Wien verhaftet und zu einem Jahr unbedingten Knast verurteilt, weil sie ihre Hochstapeleien dort fortsetzen wollte. In Luzern wurde sie von den Behörden jedoch vollumfänglich geschützt. Das dortige Konkursamt liess ihr sogar einen nachweislich betrügerischen Konkurs durch. Mit folgendem Behelf: Die Beweismittel wurden nicht zu den Akten genommen, sondern ins Archiv gestellt.

  3. Heinrich Zimmermann

    Mir ist so ein Trikser auch untergekommen, wollte innert einem Tag 8500.- Franken in einer Notlage. Mein Ansinnen das Geschaeft auf meiner Bank in Anwesenheit eines Bankiers abzuwickeln, war ihm dann zu heikel und er „fand eine andere Lösung“. Der Typ, vermeinte ich, eigentlich gut zu kennen, machte sogar mal Kompliement als guter Kollege….und spaeter sollte er mich wegen 1000.- Franken angehen. Die riskierte ich und Quittung alles war da, doch nach 10 Tagen, die er fuer die versprochene Rueckgabe des Betrag brauchte, verstrichen mit vielseitigen Ausreden.
    Eine schlussendliche Nachfrage beim Betreibungsamt, ergab Schulden
    in Stueckelung von 1000.- bis 8500.- Franken Schulden von 156 000.- Franken. Diese Betraege machen es nicht sinnvoll, noch weitere Betreibungsaktionen zu machen, denn das kostet wiederum. Dieser Typ, lebt in der Gegend des Zuercher Oberlandes, wird wohl geschuetzt durch den Personenschutz… also andere duerfen auch noch reifallen. Toller Staat und tolle Justiz.

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