Job schon wieder weg

© Beobachter 2010
Die Prix-Courage-Trägerin Esther Wyler verliert erneut ihre Anstellung. Angeblich hat sie sich im Ton vergriffen.

Peter Johannes Meier

Die Gemeinde Ostermundigen will Esther Wylers befristeten Arbeitsvertrag als Juristin im Sozialamt 2011 auslaufen lassen. Fachlich wird ihr nichts vorgeworfen. Im Gegenteil: Wyler war 2009 gar im Rennen um eine Vorgesetztenstelle. In der Endrunde erhielt ein Mitbewerber den Job.

Im Einschätzungsbericht werden der 51-Jährigen positive Eigenschaften zugeschrieben. Auch eine Führungsposition wird Wyler grundsätzlich zugetraut. Weil sie aber «weder Ruhe noch Gelassenheit und Optimismus» ausgestrahlt habe, riet der Personalberater von ihr ab. Zudem erwähnt er einen «mit Resignation verbundenen Rückzug in die Tierwelt»; Wyler hat einen Hund. «Den Entscheid habe ich akzeptiert. Die Argumentation kann ich aber nicht nachvollziehen», sagt sie.

So erging es auch ihrem persönlichen Coach. Dessen Kritik leitete Wyler an Vorgesetzte weiter, was dort offenbar nicht gut ankam. «Seit dem Assessment ist die Zusammenarbeit schwieriger geworden», sagt Gemeindepräsident Christian Zahler. Inwiefern, wollte er mit Hinweis auf den Persönlichkeitsschutz nicht sagen.

SAGEN WAS MAN DENKT

Offenbar war Wylers Vorgehen aber Grund, sie im Frühling 2010 erneut nur befristet anzustellen. Wyler wehrte sich. «Um mich herum wurden seit neun Monaten Mitarbeiter mit ganz normalen Verträgen neu angestellt. Ich verstand nicht, weshalb ich trotz guten Qualifikationen nicht gleich behandelt werde», so Wyler. In mehreren E-Mails beantragte sie eine unbefristete Anstellung. Zudem stellte sie in Frage, ob eine erneute Befristung überhaupt rechtmässig sei. Dabei habe sie sich im Ton vergriffen, wirft ihr der Gemeindepräsident vor.

Arbeitskollegen zeigen sich erstaunt. «Die meisten wussten gar nicht, dass Wyler nur befristet angestellt war», sagt eine Mitarbeiterin. Offenbar geniesst sie grosses Vertrauen. «Wyler ist kompetent, hilfsbereit und keineswegs resigniert. Das hört man auch von anderen Ämtern, mit denen wir zusammenarbeiten.» Dass sie eine sei, die sagt, was sie denkt, werde durchaus positiv wahrgenommen.

Daran will Wyler nichts ändern – «auch wenn ich keinen Job im Sozialbereich mehr finden sollte».

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