Monatsarchiv: Juli 2009

Schmutzige Geschäfte mit Putzfrauen

© Beobachter; 23.07.2009

Doppelte Abrechnungen für Kunden, Drohungen gegen Angestellte und Geschäftspartner: Die schweizweit tätige Firma putzfrauenvermittlung.ch ist kein Garant für saubere Arbeit.

Wer seine Putzfrau nicht schwarz beschäftigen will, muss sich auf etwas Bürokratie einlassen. Oder er wendet sich an eine professionelle Putzfrauenvermittlung. Für einen Stundenpreis um 38 Franken sollte man eine korrekte Anstellung und Entlöhnung seiner Putzfee erwarten können. «Eine saubere Sache für eine saubere Wohnung», wirbt denn auch eine der grössten Agenturen der Schweiz, die putzfrauenvermittlung.ch.

400 bis 500 Putzfrauen arbeiten für das Zürcher Unternehmen im Stundenlohn. Gemäss Gesamtarbeitsvertrag (GAV) steht auch ihnen ein 13. Monatslohn zu. Den haben sie über zwei Jahre lang nicht erhalten.Erst auf Druck von Anwälten und nach einer Klage vor Arbeitsgericht zahlte man einigen die Nachforderung. Erhalten jetzt auch die anderen ihr Geld? Marco Gloor, Geschäftsführer der putzfrauenvermittlung.ch, sieht sich nicht in der Pflicht: «Der 13. Monatslohn war bei uns schon immer Bestandteil des Lohns.» Fragt sich, warum klagende Putzfrauen entschädigt wurden.

Das Betreibungsregister zeigt, dass es Gloors Zürcher Zentrale ist mit finanziellen Problemen zu kämpfen hat. Pfändungen von jeweils über 100’000 Franken sind in den vergangenen zwei Jahren vollzogen worden. Und bis im Mai 2009 sind bereits neue Betreibungen über 150’000 Franken aufgelaufen. Hinter Betreibungen auf Pfändung stehen in der Regel öffentlich-rechtliche Gläubiger. Geht es also um nicht bezahlte Steuern oder Sozialabgaben für Angestellte? Marco Gloor verneint. Vielmehr habe das starke Wachstum der Firma die Aufnahme von 370’000 Franken Fremdkapital nötig gemacht. Daraus seien die Forderungen entstanden, «die von uns jeweils auch beglichen werden».

Update 23.7.09: Die Puztfrauenvermittlung.ch wird von mehreren Sozialversicherungen betrieben. Es geht um nicht einbezahlte Sozialabgaben für die Angestellten. Dies belegt ein detaillierter Auszug aus dem Betreibungsregister, der dem Beobachter vorliegt.

Offenbar hat das Zürcher Unternehmen ausländischen Putzfrauen auch die Quellensteuer abgezogen, diese dann aber nicht einbezahlt. Gegenstand von Betreibungen sind auch die Mehrwertsteuer und Beiträge an die paritätische Kommission der Reinigungsbranche. Insgesamt geht es um mehrere hunderttausend Franken.

Zu den Gläubigern des Unternehmens gehören die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, eine BVG-Auffangeinrichtung, die eidgenössische Steuerverwaltung und die Abteilung Quellensteuer des Kantons Zürich. Allein im laufenden Jahr 2009 haben sich Forderungen im Wert von über 200’000 Franken angehäuft. Gemäss Arbeitsvertrag verrechnete die Putzfrauenvermittlung den ausländischen Angestellten sogar einen Administrativaufwand von 150 Franken für das Abrechnen der Quellensteuer.

Putzfrauzenvermittlung.ch  arbeitet mit Subunternehmen zusammen, die über einen Franchisingvertrag an die Zentrale gebunden sind. Alle Putzfrauen haben ihre Arbeitsverträge mit der  Zentrale abgeschossen. Das Zürcher Amt für Wirtschaft klärt zurzeit ab, ob das Unternehmen einen Personalverleih ohne die dafür nötige Bewilligung betreibt. Aus Gründen des Datenschutzes wollte sich das Amt aber nicht zum Fall äussern.

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Knausrige Bezahlung: Bei putzfrauenvermittlung.ch haben Angestellte nichts zu lachen.

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