Monatsarchiv: Mai 2008

Schule als Selbstbedienungsladen

Ein Direktor der Pädagogischen Hochschule Zürich gönnte sich Luxus auf Schulkosten – die Bildungsdirektorin war gewarnt.
Peter Johannes Meier

Zürich Marcel Schmid, Verwaltungsdirektor der Pädagogischen Hochschule Zürich, hat sich Luxusgüter von der Schule finanzieren lassen. Unter anderem geht es um einen Flügel, edle Hi-Fi-Geräte und ferienähnliche Reisen, welche die Lehrerausbildungsstätte – also der Steuerzahler – berappen muss.

Die Bildungsdirektion erstattete Anzeige gegen den 42-Jährigen, nachdem Angestellte wiederholt auf Abzockereien in der Teppichetage aufmerksam gemacht hatten. Inzwischen hat der Beschuldigte ein Teilgeständnis abgelegt, wie die Staatsanwältin Christina Braunschweig bestätigt. Auf eine Anfrage der SonntagsZeitung reagierte Schmid nicht.

Weitere schwere Vorwürfe werden untersucht: So soll die Beratungsfirma Next Consulting Group der Schule nicht oder nur teilweise erbrachte Leistungen in sechsstelliger Höhe verrechnet haben. Schmid sitzt als VR-Delegierter in der Holding der Firma. Hugo Brücker, Verwaltungsrat der Next Consulting Group, zeigt sich überrascht: «Schmid hat seit 2002 keine Funktion mehr bei uns. Wir überprüfen jetzt allfällige Geschäftsbeziehungen zur Zürcher Schule.»

Der damalige Rektor hatte Bezüge abgesegnet

Hinter der Next Consulting Group steht ein Anwaltsbüro, die Firma beschäftigt kein eigenes Personal. «Je nach Bedarf engagieren wir externe Experten», sagt Brücker. «Die Firma kenne ich nicht», sagt Walter Bircher, seit September neuer Rektor der Fachhochschule.

Die Vorwürfe bewogen Bildungsdirektorin Regine Aeppli zu einer Strafanzeige. Aeppli hat aber bereits seit zwei Jahren Kenntnis von fragwürdigen Geldbezügen des Direktors. Schon damals wollten aufmerksame Angestellte nicht länger zusehen. Einige liessen ihre Erkenntnisse von einem Anwalt vorbringen, weil sie Nachteile an der Schule befürchteten. Die angeprangerten Bezüge waren vom damaligen Rektor abgesegnet worden, auch die finanzielle Abgeltung von 1000 Überstunden allein für 2005.

Schmid dürfte so seine 200 000 Franken Lohn um 100 000 Franken aufgebessert haben, obwohl Kaderleute keinen Anspruch auf finanzielle Kompensation der Überstunden haben. Trotz angeblicher Mehrbelastung fand Schmid Zeit, die FDP im Gemeinderat von Rohr AG zu vertreten. Seine ausgiebige Reisetätigkeit liess er sich monatlich mit über 1000 Franken Autospesen vergelten, obwohl ihm die Schule ein Generalabonnement finanzierte.

Die Finanzkontrolle sah nichts Strafbares

Auf Grund der Vorwürfe hatte Regine Aeppli die kantonale Finanzkontrolle mit Abklärungen beauftragt. Resultat: «Die Fälle sind im Rahmen der Kompetenzen der Hochschule beziehungsweise der Bildungsdirektion abgewickelt worden. Strafbare Handlungen waren nicht auszumachen», sagt Hanspeter Zimmermann, Leiter der Finanzkontrolle.

Aeppli verzichtete auf Massnahmen. «Hätten es die Klienten des Anwalts gewünscht, wäre ich bereit gewesen, eine Administrativuntersuchung zu eröffnen. Dafür hätten diese aber aus ihrer Anonymität heraustreten müssen.» Die verunsicherten Angestellten waren dazu nicht bereit.

Eine Untersuchung hätte Regine Aeppli selber veranlassen können. Doch gegenüber der «SonntagsZeitung» verteidigt sie sogar die damaligen Bezüge des Direktors: «Er leistete beim Aufbau der Schule einen enormen Einsatz.» Eine finanzielle Abgeltung der Überstunden sei in solchen Fällen zulässig. Bewilligt habe sie aber der damalige Rektor, so Aeppli.

Dieser Rektor hätte gemäss Regierungsrat auf Ende August 2007 in den «frühzeitigen Ruhestand» treten sollen. In Wahrheit bezieht er noch heute einen vollen Lohn. «Er ist Dozent und nimmt gewisse Beratungsaufgaben wahr», bestätigt sein Nachfolger. Die nahtlose Weiteranstellung war vom Fachhochschulrat bewilligt worden – präsidiert von Regine Aeppli.

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